Trauma – Darfur
Am vergangenen Donnerstag hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen das Mandat seiner Friedenstruppe UNAMID (United Nations – African Union Mission in Darfur) bis Ende 2010 verlängert. Bereits seit Einsatzbeginn im Oktober 2007 ist die Effektivität der Truppe umstritten. Vor allem der Mangel an Einsatzkräften und entsprechender Ausrüstung macht einen ausreichenden Schutz der bedrohten Bevölkerung unmöglich. Der 2003 begonnene Konflikt hat nach UN-Angaben fast 400.000 Menschen das Leben gekostet und 2,7 Millionen in die Flucht getrieben. Seit Februar 2003 wurden in Darfur rund 3.300 Dörfer der schwarzafrikanischen Bevölkerung von Janjaweed-Milizen und der sudanesischen Armee zerstört.
Mir war das Zustandekommen dieses Konfliktes und die eigentliche Tragödie für die Bevölkerung im westlichen Sudan lange Zeit ein Rätsel. Grund genug für einen Filmtipp aus dem letzten Jahr: „Die Todesreiter von Darfur“
Es gibt „Stiefkonflikte“ westlicher Kriegsberichterstattung; so auch der in der Region Darfur. Die Kämpfe zwischen Rebellengruppen und der Armee, die seit den Aufständen 2003 Milizen aus den arabischen Nomadenstämmen (sog. „berittene Teufel“) rekrutieren ließ, haben sich mittlerweile zu einer der schlimmsten humanitären Krisen entwickelt. Erst im Juli 2008 wurde gegen den Hauptverantwortlichen für die brutalen Angriffe der arabischen Milizen auf nicht-arabische Stämme, Sudans Präsident al Baschir, vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag Haftbefehl wegen Völkermords erlassen. In den Medien wurde dennoch nur spärlich über den Krieg und seine Folgen berichtet. Der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm von Annie Sundberg und Ricki Stern (The Trials Of Daryl Hunt) versucht auf die Menschenrechtverletzungen in dem afrikanischen Staat aufmerksam zu machen.
In „Die Todesreiter von Darfur – The Devil came on Horseback “ erzählt Brian Steidle, ein ehemaliger US-Marine, von seinem Einsatz als offizieller militärischer Beobachter im Sudan. Während seines Aufenthalts (2004-05) wurde Steidle unfreiwilliger Zeuge von Gräueltaten, die jenseits des menschlichen Vorstellungsvermögens liegen. Er quittierte schließlich den Dienst und kehrte schwer traumatisiert zurück in die USA. Der Ex-Marine wollte mit seinen Erfahrungen und Bildern an die Öffentlichkeit: Während ihn das US-Außenministerium nur darum bat, die Veröffentlichung der Fotos zu unterlassen, drohte die Afrikanische Union damit, er würde mit diesem Schritt sein Leben riskieren. Weiter wurde ihm vorgeworfen, er würde sich mit den Schreckensbildern nur bereichern wollen. Im Frühjahr 2005 wurden einige seiner Aufnahmen in der New York Times veröffentlicht und lösten eine weltweite Welle der Bestürzung aus. Brian Steidles Hartnäckigkeit führte dazu, dass sich in den USA bis heute 180 Organisationen (die Save Darfur Coalition) für die Menschen in Darfur einsetzen.
Hier der Trailer:
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