Eine Woche in Somalia


Unsere Mitarbeiterin Rachel Palmer reiste nach Somalia, um sich ein Bild von der Situation am Horn von Afrika zu machen. Rachel arbeitet bereits seit sechs Jahren für Save the Children, sie ist sehr erfahren und war schon in Niger, im Sudan und in Liberia. Aber sie selbst sagt, das was momentan in Ostafrika passiert habe sie noch nie gesehen. Ihre Eindrücke und Erfahrungen beschreibt Rachel in diesem Blog.

“Als ich im Flugzeug nach Somalia saß und über die Region Puntland flog, war alles was ich sehen konnte trockene, staubige Schwaden, die sich unter mir ausbreiteten. Ich musste nur nach unten schauen und konnte die Auswirkungen der Dürre auf das Land deutlich sehen. Aber ich war noch viel erschrockener, als ich mit eigenen Augen sah, welche Auswirkungen eine solche Dürre auf Menschen, insbesondere Kinder hat.

Ich landete in Bosaso, einer Hafenstadt an der Nordküste von Puntland. Es war eine ziemlich spektakuläre Landung, mit einer Start- und Landebahn auf einem kleinen Streifen Strand, zwischen azurblauem Meer und sandigen Bergen. Dies wird sich als ein großer Kontrast zu dem erweisen, was ich als nächstes erleben werde.

Es gibt 31 Flüchtlingscamps für vertriebene Menschen in Bosaso. Diese Camps sind innerhalb der letzen 15 Jahre entstanden, als Zufluchtsort für Menschen auf der Flucht vor Dürren und Konflikten. Ich kam im Camp New Shabelle an und so weit das Auge reichte, konnte ich kleine Hütten aus Pappkartons sehen, die die Menschen vor der glühenden Hitze schützen sollen. Man sagte mir, dass täglich etwa 20 neue Familien ankommen würden, meist mit nicht mehr als ihren Kleidern an ihren schwachen Körpern. Viele Familien nehmen Neuankömmlinge bei sich auf. So ist es nicht selten, dass drei Familien in einer kleinen, engen Hütte unterkommen und sie sich das wenige Essen das sie haben auch noch teilen. Inmitten dieses trostlosen Elends, war es geradezu herzerwärmend zu sehen, dass sich die Menschen gegenseitig helfen, trotz ihrer eigenen verzweifelten Lage.

Die Geschichte von Norta und ihrer Tochter Maymum
Ich traf Norta Omar, eine 26-jährige junge Frau, die am Tag zuvor im Camp ankam. Wir sitzen zusammen mit ihren drei Kindern vor ihrer Hütte, ihr jüngstes Kind Maymum liegt erschöpft in ihren Armen: „Wir rannten weg vor der Dürre. Alle Tiere sind gestorben. Ich hatte 100 Ziegen und 50 Rinder. Keines hat überlebt. Sie sind verhungert.“ Ich beschloss mit meinen Kindern nach Bosaso zu kommen und hoffte auf ein besseres Leben. Wir konnten auf einem Transportwagen mitfahren. Es war eine lange Reise und wir waren sehr hungrig. Hier hat uns eine andere Familie aufgenommen. Wir haben ein Dach über dem Kopf. Wir sind abhängig von der Hilfe dieser guten Menschen. “

Norta’s 20 Monate alte Tochter Maymum kam stark unterernährt im Ernährungszentrum an und wurde sofort in eine Spezialklinik gebracht. Maymum wog nur 6,4 kg. Man musste ihr sofort eine Magensonde legen, um ihr Gewicht zu stabilisieren. Nach vier Tagen wog das kleine Mädchen 7,2 kg und ihre Mutter konnte wieder ein wenig lächeln. Es ist unglaublich, den Fortschritt zu sehen, den unterernährte Kinder machen können, sobald sie in den richtigen Händen sind und die richtige Behandlung bekommen.

Die letzten Worte von Norta verfolgen mich bis heute. Sie sagte: “Wenn die Dürre weiter anhält, werden viele Menschen sterben, wenn sie keine Hilfe bekommen. Ich richte mich damit an die Welt da draußen, sie müssen verstehen, dass diese Dürre sehr ernst ist und sehr viele Menschen und Kinder betroffen sind. Die Menschen, die die Kraft hatten sind geflohen, aber die Schwachen brauchen Hilfe.”

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