Wie geht es den Kindern weltweit im Jahr 2030?

Drei indonesische Kinder, die von einem Save the Children Projekt profitieren

Kathrin Wieland ist die Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland. Auf diesem Blog erzählt sie regelmäßig von ihrer Arbeit und der Arbeit ihrer Kollegen in Krisenregionen weltweit.

Wissen Sie, was das Ziel meiner Arbeit ist? Mich selbst arbeitslos zu machen. Das ist kein Scherz! Es ist im Grunde das Ziel eines jeden Menschen, der für eine zivilgesellschaftliche Organisation arbeitet. Ein merkwürdiges Paradox ist das, und die täglichen 120 Mails, Meetings, Nachrichten und Aktionspläne sagen mir, dass es sehr schwierig wird, noch vor meiner Rente zu erleben, dass meine Arbeit überflüssig ist. Und doch ist es möglich.

Wir können es schaffen

In meinem Fall kämpfen wir hier im Deutschlandbüro von Save the Children dafür, dass sich die Lebenswirklichkeit der Kinder in aller Welt verbessert. Es gibt zum Beispiel das erklärte Ziel, dass bis zum Jahr 2030 kein Kind mehr an vermeidbaren Krankheiten stirbt. Und wissen Sie was? Das ist möglich – und ich glaube fest daran, dass noch zu erleben, wenn wir alle – Regierungen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Wirtschaftsentscheider und Privatmenschen – unsere Bemühungen für eine gerechtere Welt sinnvoll bündeln! Außerdem ist dringend geboten, dass wirklich alle Kinder Zugang zu Bildung bekommen. Und wir müssen uns darum kümmern, dass die Erwachsenen von heute nicht alle Lasten der Zukunft auf die Kinder von heute abwälzen, die dann endgültig darunter zusammenbrechen – Stichwort Generationenvertrag.

Die Kinderrechte im Blick behalten, um zukunftsfähige Gesellschaften zu bauen

Wenn wir tatsächlich so nachhaltig wirken wollen, müssen wir NGOs unsere Arbeit entsprechend verändern. Wir sehen nämlich, dass die Ungleichheit immer größer wird, überall auf der Welt. Die Staaten, die sich aus extremer Armut befreien konnten, haben dabei gleichzeitig oft die Kinderrechte aus den Augen verloren. Insofern ist es wichtig, dass wir als Organisationen, die wir uns vor Ort tagtäglich mit der Lebenswirklichkeit der einzelnen Menschen auseinandersetzen, versuchen, Einfluss auf die politischen Entscheidungswege zu nehmen. Aber es sind ja nicht nur die ehemaligen oder tatsächlichen Entwicklungsländer, die in dieser Hinsicht ihre Hausaufgaben (noch) nicht gemacht haben. Auch Deutschland ist beispielsweise von der OECD dafür gerügt worden, dass der Bildungserfolg eines Kindes zu sehr vom sozialen Status der Eltern abhängt, will sagen: Gebildete Eltern sind in der Lage, ihren Nachwuchs zu unterstützen – sogenannte ‚bildungsferne‘ nicht. Deren Kinder müssen dann schon sehr viel Glück haben, wenn sie aus der Armutsspirale raus wollen.

Vor den Entscheidungsträgern der Welt müssen alle Kinder gleich sein Pronali (5)

Alle Kinder überall auf der Welt sind unschuldig, egal, in welche Zusammenhänge sie geboren wurden und unter welchen Bedingungen sie aufwachsen. Das reiche Kind aus der schwarzen Oberschicht eines aufstrebenden Landes hat die gleichen Bedürfnisse nach Geborgenheit und Sicherheit wie ein weißes Kind in unserem Nachbarland Ukraine oder ein syrisches Kind in einem Flüchtlingscamp im Libanon. Vor dem Hintergrund dieser Anschauung hat die Britin Eglantyne Jebb kurz nach dem 1. Weltkrieg Save the Children gegründet. Sie wissen vielleicht nicht, dass die Idee dieser Gründung aus der Not deutscher Kinder geboren ist: Sie, die Engländerin, nahm sich der Kinder des verhassten Feindes an, indem sie auf die Menschlichkeit pochte. Jeder Krieg, ob gerechtfertigt oder ungerechtfertigt, sei ein Krieg gegen Kinder. Von ihren Landsleuten hat sie dafür nicht gerade viel Zuspruch erhalten – aber die Idee, dass Kinder überall auf der Welt die gleichen Rechte haben sollten, resultierte schließlich in der UN-Kinderrechtskonvention, die fast alle Staaten dieser Welt ratifiziert haben. Daran mit zu helfen, sie durchzusetzen, ist meine tägliche Aufgabe. Und obwohl ich sie gerne tue, wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dass das irgendwann nicht mehr nötig sein wird.

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2 Kommentare zu “Wie geht es den Kindern weltweit im Jahr 2030?”

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  1. Blog | Save the Children Deutschland » Save the Children und der Kampf gegen Ebola  am Dienstag, 3. März 2015

    […] vermeidbaren Krankheiten. Womit wir wieder bei den Zielen für 2030 wären, über die ich in meinem Blog am 20. Februar geschrieben habe. Wenn wir bis 2030 eine weltweite medizinische Grundversorgung aufgebaut haben, […]

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  2. Samantha  am Dienstag, 15. Dezember 2015

    Ich kann mir noch nicht vorstellen, dass das Problem der medizinischen Grundversorgung wirklich irgendwann behoben wird. Sind wir mal gespannt, was da noch so auf uns zukommt.

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