Auch Deutsche waren schon mal Flüchtlinge

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Kathrin Wieland ist Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland. Auf diesem Blog erzählt sie regelmäßig von ihrer Arbeit und der Arbeit ihrer Kollegen in Krisenregionen weltweit.

Mich persönlich beschäftigt das Flüchtlingsthema schon sehr lange. Wie so viele in der Generation meiner Eltern war auch meine Mutter ein Flüchtling. Bis heute erwähnt sie häufig, wie sehr sie darunter gelitten hat, vor allem in der Schule als Mensch zweiter Klasse behandelt worden zu sein. Nein, man hat sie nicht mit offenen Armen empfangen, und das, obwohl hier Deutsche zu Deutsche kamen – sie wurden beschimpft und diskriminiert. Kommt Ihnen das auch bekannt vor?

88 Kinder ohne Begleitung befinden sich unter den Migranten, die vor kurzem auf Lampedusa angekommen sindMeine Mutter hat diese bitteren Erfahrungen nicht nur mit den anderen ihrer Generation gemeinsam, sondern auch mit den Flüchtlingen von heute. „Ich möchte eine Zukunft haben, ich möchte ein Mensch sein“, ist der erschütternde Satz, den meine Kollegin Sarah Tyler  von einem 17-jährigen Jungen aus Gaza gehört hat. Sie war in Lampedusa, um die Geschichten von geflüchteten Kindern anzuhören und um ihnen eine Stimme zu geben. Yusuf ist auf seiner langen Reise nach Europa zwischenzeitlich im Gefängnis gelandet, wurde geschlagen und man hat versucht, Geld von seiner Familie zu erpressen. Es gibt auch Kinder, die mit ansehen mussten, wie andere Flüchtlinge von den Schleppern einfach von Bord geworfen wurden, weil sie schwach oder seekrank waren. Migranten auf Lampedusa

Wir müssen aufhören, Flüchtlinge als Problem zu betrachten

Und dann schlägt ihnen so viel Skepsis und Misstrauen entgegen. Wenn man die Proteste gegen Asylbewerberheime sieht, gewinnt man fast den Eindruck, es ginge darum, lauter Kriminelle zu beherbergen.

Dabei ist es ja geradezu grotesk, wie viel Potenzial wir in den Flüchtlingsheimen „versauern“ lassen. Unter dem Titel „Motivierter als die Politik erlaubt“ hat der Tagesspiegel am Donnerstag der vergangenen Woche von einem Projekt berichtet, das dringend benötigte Fachkräfte an Handwerksbetriebe vermittelt. Das Interesse ist riesengroß – und nun raten Sie mal von wem: Natürlich von den Flüchtlingen, aber noch mehr von den Betrieben.

Kindern gehört die Zukunft

Ein Kind wird von einem Save the Children-Mitarbeiter betreutSolche Initiativen stärken das gesellschaftliche Miteinander und garantieren Menschen ihre Würde, um die sie auf ihrem langen Weg nach Europa verzweifelt kämpfen mussten. Gerade Kinder müssen darin unterstützt werden, ihre Potenziale zeigen, entfalten und in die Gesellschaft einbringen zu dürfen.

Aus diesem Grund hat Save the Children den Förderwettbewerb KINDERrechte für KINDERflüchtlinge ins Leben gerufen. Organisationen oder Initiativen, die in Deutschland mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten und sie dadurch in ihren Kinderrechten stärken, werden von uns finanziell, mit Know-how und Technik unterstützt. Bis Ende März können entsprechende Institutionen sich noch bei uns bewerben.

Kinderrechte für Kinderflüchtlinge

Kinderflüchtlinge kommen – unverschuldet – aus verzweifelten Situationen, aus Krieg, Elend und Verfolgung. Nur weil da, wo sie herkommen, kein Leben für sie möglich ist, haben sie in der Hoffnung auf eine Zukunft eben dieses Leben aufs Spiel gesetzt. Sie sind Opfer, keine Kriminellen. Und es werden noch viele kommen. Die weltweit anerkannte UN-Kinderrechtscharta verpflichtet uns dazu, ihnen die gleichen Rechte zu gewähren wie jedem zufällig in sichere Verhältnisse hineingeborenen Kind auch.

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