In Nepal sind Helfer selbst Opfer – und setzen trotzdem ihre Arbeit fort

Helfer bergen ein Opfer aus den Trümmern in Nepal

Devendra Tak arbeitet für Save the Children in Indien und ist sofort nach dem Erdbeben in das betroffene Gebiet ca. 80 km von Kathmandu und Pokhara gereist. Doch allein die Reise dorthin entpuppte sich als echte Herausforderung.

Bis jetzt hat das Erdbeben in Nepal mehr als 3000 Menschenleben gekostet. Es ist das schlimmste Erdbeben der vergangenen 80 Jahre, das in seiner Heftigkeit mit einer Stärke von 7,9 sogar die an Eruptionen gewöhnten Nepalesen überrascht hat. Sehr viele Häuser sind eingestürzt und die Menschen trauen den verbliebenen Gebäuden kaum zu, den immer noch schweren Nachbeben von über 7,0 Stärke Stand zu halten.

Zahlreiche Häuser sind bei dem verheerenden Erdbeben in Nepal zerstört wordenNachdem ich von der Katastrophe gehört hatte, wollte ich das nächste Flugzeug nehmen, nur um dann drei Stunden lang auf meinem Sitz festgeschnallt zu warten, ohne, dass sich etwas tat, weil nicht klar war, ob wir überhaupt einreisen konnten. Das Katastrophengebiet überhaupt zu erreichen war und ist für die vielen sich noch auf der Reise hierher befindlichen Kollegen bis jetzt viel schwieriger als erwartet – dabei wird unsere wertvolle Arbeit so dringend benötigt. Nun bin ich hier und höre immer wieder auch von Nachbeben zu Hause und in benachbarten Staaten – dieses Desaster ist buchstäblich grenzenlos. Trotzdem habe ich mich von Anfang an bemüht, laufend Kontakt mit vielen Kollegen vor Ort zu halten. Sie erzählten mir von minutenlangen heftigen Erdbeben, und davon, dass sie unter freiem Himmel übernachteten, weil sie der Stabilität ihrer eigenen Heime nicht trauten. Um diese Jahreszeit ist es in dieser bergigen Gegend nachts noch sehr, sehr kalt und viele haben keine Decken oder Zeltplanen, während Regenfälle unweigerlich bevorstehen. Es gab zeitweise keine Elektrizität und nur schlechten Handy-Empfang. Mein Kollege Brad Kerner erzählt in seinem Blog ausführlich, wie er das Erdbeben erlebte – und was es jetzt vor Ort alles braucht.

Unsere Kollegen sind also selbst Opfer der Katastrophe. Sie versuchen, ihre Familien am Leben und zusammenzuhalten und gleichzeitig, die Lage wieder unter Kontrolle zu bekommen. Sie reißen sich zusammen und setzen ihre Arbeit fort, um denen zu helfen, die es noch härter getroffen hat als sie selbst. Wir wissen, dass sehr viele Kinder und ihre Familien Unterkünfte genauso benötigen wie medizinische Versorgung, psychosoziale Hilfestellung, Nahrungsmittel, Wasser und Hygiene-Artikel. Im Tal von Kathmandu sind die Krankenhäuser hoffnungslos überfüllt –Mediziner behandeln ein Kind auf der Straße vor der Rettungsstelle eines Krankenhauses und auch die Leichenhallen. Außerdem ist die Notstromversorgung in sehr vielen Einrichtungen nicht mehr gesichert. So müssen Ärzte und Krankenschwestern die Menschen nun auch auf den Straßen behandeln. Außerdem scheinen die medizinischen Notrationen der Krankenhäuser zuneige zu gehen. Save the Children unternimmt alles, um Hilfsgüter innerhalb des Landes und über die gesamte betroffene Region zu verteilen. Die Straßenverhältnisse in der ohnehin schwer zugänglichen bergigen Region machen allerdings jedweden Transport zu einer Herausforderung, so dass es Tage dauern kann, bis ländliche oder abgelegene Gegenden erreicht werden. Und das, während die Gefahr von Nachbeben weiterbesteht.

Save the Children arbeitet seit 1976 in Nepal. Unsere Programme haben sich auf Bildung konzentriert, vor allem frühkindliche Entwicklungsarbeit und Grundschulbildung, aber auch medizinische Grundversorgung einschließlich Mütter- und Kindergesundheit, HIV und AIDS-Prävention und –Behandlung gehören zu unseren Schwerpunkten. Wir arbeiten in 63 nepalesischen Distrikten. Gary Shaye hat jahrelang für Save the Children in Nepal gearbeitet und hat noch immer enge Bindungen dorthin, wie er in seinem Blog beschreibt.

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