Eisige Temperaturen in Serbien: Lebensgefahr für Kinderflüchtlinge

Foto: Tatjana Ristic/Save the Children

Drei Kinderflüchtlinge im Alter von 9 und 10 Jahren suchen in einer leer stehenden Lagerhalle Schutz vor der eisigen Kälte. Foto: Tatjana Ristic/Save the Children

Eisige Temperaturen bringen das Leben von 2.000 Flüchtlingen, darunter 300 Kinder, in Gefahr: Sie leiden an Unterkühlung, Frostbeulen und es sind erste Kältetote zu beklagen.

Gestrandet in der serbischen Hauptstadt Belgrad schlafen die Kinder bei eisigen Temperaturen von bis zu -14° in provisorischen Unterkünften, während sie darauf warten,  nach Ungarn einreisen zu dürfen.

Unmenschliche Bedingungen

Malak

Als unsere Mitarbeiter die kleine Malak* in Belgrad trafen, litt sie unter Frostbeulen.

Die leer stehenden Gebäude, in denen die geflüchteten Familien Schutz suchen, haben hohe Decken, zerbrochene Fenster, keine Heizung und keine Toiletten.

Kinder bauen sich Betten aus Zeitungspapier – ein verzweifelter Versuch, sich zu wärmen. Um sich eine warme Mahlzeit zuzubereiten, machen sich die Menschen unkontrollierte Feuer. Sie verbrennen Müll und schwarzer giftiger Rauch zieht durch die Räume. Die ersten leiden bereits an Atemwegserkrankungen.

Während die Situation in Belgrad sich zunehmend verschlechtert , steigt die Zahl der Flüchtlinge, die versuchen, über die Grenze zu kommen. Bis zu 61 Menschen sind unter diesen Bedingungen bereits gestorben, andere warten bereits seit sechs Wochen darauf, die Grenze zu überqueren.

In Serbien gestrandet

Das Leid der Menschen, die aus Konfliktgebieten wie Afghanistan, Irak, Syrien und Pakistan geflohen sind, nimmt kein Ende.

Nach der gefährlichen und beschwerlichen Flucht sind sie in Serbien gestrandet. Sie warten darauf, dass über ihren Asylantrag entschieden wird und hoffen, zu den Wenigen zu gehören, deren Antrag positiv beschieden wird. Denn täglich bekommen nur zehn Menschen eine Einreiseerlaubnis.

Menschen statt Grenzen schützen

Serbien liegt auf der Balkanroute, die von Hunderttausenden Flüchtlingen genutzt wurde, um nach Westeuropa zu fliehen. Diese Route ist seit letztem Jahr geschlossen, doch noch immer wählen Tausende Flüchtlinge diesen Weg.
Viele berichten von brutalen Übergriffen, wenn sie versuchen, über die Grenzen nach Ungarn oder Kroatien zu gelangen. Wie der 12-jährige Aalem*, der an der ungarischen Grenze von Hunden angegriffen wurde und von Grenzschützern brutal nach Serbien zurückgebracht wurde. Im Video erzählt er von seinen Erlebnissen. Auch andere Flüchtlinge berichten von Hundebissen und schweren Verletzungen.

Video

Die grausame Grenzpolitik hat dazu geführt, dass Hunderte Flüchtlinge bei eisigen Temperaturen und menschenunwürdigen Bedingungen in Serbien festsitzen. Hinzu kommt, dass durch die Schließung der legalen Fluchtwege viele Kinder in die Hände von Schmugglern geraten

Save the Children-Mitarbeiterin Jelena Besedic ist in Serbien vor Ort. Sie warnt: „In Wirklichkeit hat die Flüchtlingskrise nicht abgenommen. Es ist einfach eine gefährlichere Route geworden, insbesondere für Kinder. Der EU-Türkei-Deal hat nur dazu geführt, dass Schmuggler noch gefährlichere Wege nutzen, um die offiziellen Wege zu umgehen.“

Wie wir helfen

In Kinderschutzraum – wie diesem in Belgrad – von Save the Children können Kinder einfach nur Kinder sein.

Save the Children fordert legale Fluchtwege nach Europa. Darüber hinaus leisten wir Nothilfe für Kinderflüchtlinge und ihre Familien in Europa und im Nahen Osten.

Unsere Teams verteilen warme Kleidung, Decken und Heizöl, um Kinder vor der Kälte zu schützen. Und sie stellen sicher, dass sie medizinisch versorgt werden. Dazu sind u.a. mobile Außenteams im Einsatz.

In Belgrad betreiben wir gemeinsam mit anderen Organisationen und lokalen Partnern ein Aufnahmezentrum, in dem Geflüchtete rund um die Uhr Hilfe bekommen und es geschützte Räume für Kinder gibt. Hier werden sie mit dem Nötigsten versorgt, während sie auf ihre Registrierung warten. Außerdem identifizieren wie unbegleitete Kinder und kümmern uns darum, dass sie die nötige Unterstützung erhalten.

Bitte unterstützen Sie unsere Nothilfe mit Ihrer Spende.

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