Weckruf Ebola? Drei Jahre nach der Krise

November 2014, Liberia: Ein Gesundheitshelfer in Schutzkleidung trägt die 15 Monate alte  Mary in die Krankenstation. Sie hat sich mit Ebola angesteckt.Heute vor genau drei Jahren, am 8. August 2014, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Ebola zum internationalen Gesundheitsnotfall (Public Health Emergency of International Concern) und löste damit weltweite Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise aus. Im darauf folgenden Jahr warnte Save the Children in seinem Bericht Ein Alarmsignal: Lehren aus der Ebola-Krise davor, dass die Gesundheitsversorgung in vielen Ländern ebenso unzureichend oder sogar schlechter ist als die in Liberia vor dem Ausbruch der Ebola-Epidemie. Seither hat sich einiges zum Thema „Globale Gesundheit“ getan. Wir ziehen drei Jahre nach der Ebola-Krise Bilanz.

In dem Bericht Ein Alarmsignal: Lehren aus der Ebola-Krise warnte Save the Children im März 2015 davor, dass es vielen Ländern so ergehen könnte wie Liberia, Sierra Leone und Guinea: der Ausbruch einer Krankheit wie Ebola könnte alles öffentliche Leben zum Erliegen bringen und tausende Menschenleben fordern. Der Bericht bewertete den Zustand des Gesundheitswesens in den 75 ärmsten Ländern der Welt hinsichtlich der Staatsausgaben für Gesundheit, der Anzahl des medizinischen Personals sowie der Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder und deren Sterberaten. Bericht "Ein Alarmsignal: Lehren aus der Ebola-Krise"Das Ergebnis: 28 Länder standen im Jahr 2015 noch schlechter da als Liberia vor der Ebola-Epidemie.

Große Ungleichheit – trotz vieler Fortschritte

Trotz erheblicher Fortschritte bei der Reduzierung von Kindersterblichkeit seit den 1990er Jahren herrscht weiterhin große Ungleichheit hinsichtlich des Zugangs zu Gesundheitsversorgung, die zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele –insbesondere die Ziele für Gesundheit (SDG 3) – adressiert werden muss. Die meisten der jährlich 5,9 Millionen Todesfälle von Kindern unter 5 Jahren – davon 3,1 Millionen durch Mangelernährung – sind vermeidbar. Es fehlt jedoch oft der Zugang zu Gesundheitsfachkräften wie Geburtshelfern oder zu bezahlbaren Impfstoffen und Medikamenten.

Recht auf Gesundheit – Was heißt das?

Save the Children setzt sich für die Umsetzung des Rechts auf Gesundheit für jedes Kind und jede Frau ein. Was heißt das eigentlich? Das heißt, dass es im Jahr 2030 keine vermeidbaren Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren mehr geben soll. Es heißt, dass zuallererst Kinder und Mütter Zugang zu qualitativ hochwertiger und bezahlbarer medizinischer Grundversorgung haben müssen, wenn wir die in den Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) verankerten Gesundheitsziele erreichen wollen. Und es heißt, dass diese Gesundheitsversorgung aus nachhaltigen und planbaren staatlichen Mitteln der jeweiligen Länder finanziert sein muss.

„Globale Gesundheit“ als Thema bei G20

In ihrer diesjährigen G20 Präsidentschaft (die jährlich wechselnde Präsidentschaft der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer) hat die deutsche Bundesregierung ihre Führungsrolle in der globalen Gesundheit bewiesen. Globale Gesundheit war nicht nur zum ersten Mal Thema der G20. Auch Bundeskanzlerin Merkel und die sich damals noch im Amt befindende Generaldirektorin der WHO Margaret Chan nahmen an diesem ersten Treffen der Gesundheitsminister in der Geschichte der G20 teil und verliehen somit der Bedeutung des Themas zusätzlich Nachdruck.

Zusagen zur Stärkung der Gesundheitsvorsorge weltweit

Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Die G20 Gesundheitsminister haben sich zur Bedeutung von Gesundheitssystemstärkung und allgemeinem Zugang zu Gesundheitsversorgung bekannt sowie zu den Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs). Auch haben sie sich darauf geeinigt, dass globale Gesundheit auch im kommenden Jahr diskutiert werden soll – dann unter argentinischer Präsidentschaft. Und auch die G20 Staats- und Regierungschefs haben sich in ihrer Abschlusserklärung zum im Juli abgehaltenen Gipfel zur Bedeutung des Zugangs zu allgemeiner Gesundheitsversorgung bekannt – zum ersten Mal seit Bestehen dieses Formats.

Es bleibt viel zu tun

Save the Children begrüßte die Entscheidung der G20 Staats- und Regierungschefs die Finanzierung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung zu priorisieren. Um jedes Kind und jede Mutter zu erreichen dürfen wir jedoch niemanden zurücklassen. Allein im vergangenen Jahr starben 5,9 Millionen Kinder an vermeidbaren Ursachen. Jährlich werden 100 Millionen Menschen wegen der Kosten für Gesundheitsversorgung in die Armut getrieben. Somit bleibt auch drei Jahre nach Ebola viel zu tun auf dem Weg zur Realisierung des Rechts auf Gesundheit für jedes Kind und jede Mutter.

Argentinien, das die G20 Präsidentschaft Ende des Jahres von Deutschland übernehmen wird, muss auf diesem Fortschritt aufbauen und sich dafür einsetzen, dass Gesundheit zu einem festen Bestandteil der G20-Agenda wird. Ebola hat die internationale Gemeinschaft aufgerüttelt und auf den Bedarf hingewiesen in Gesundheitssysteme zu investieren. Nun gilt es dieses Momentum beizubehalten und das Recht auf Gesundheit für alle umzusetzen. Dafür wird sich Save the Children auch weiterhin einsetzen – denn #JedesKindZählt!

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