Die Kinder hier brauchen besonderen Schutz

Francesca Scarafia koordiniert die Arbeit von Save the Children in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Halberstadt. © Bastian Strauch / Save the ChildrenÜber die Autorin: Francesca Scarafia ist Standortkoordinatorin der Arbeit von Save the Children in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Halberstadt, in der momentan rund 600 Menschen leben. Die 31-Jährige hat interkulturelle Mediation und Sprachen in Florenz und Udine studiert und bereits in Italien mit Geflüchteten gearbeitet.

Die Familien hier kommen aus Syrien, aus Afghanistan, Tschetschenien, der Balkanregion, aber auch aus afrikanischen Ländern. Eigentlich sind sie maximal für sechs Monate in der Unterkunft, aber manche bleiben auch länger. Solange ein Kind hier in der Erstaufnahmeeinrichtung wohnt, kann es keine Schule besuchen. Das ist für viele unverständlich. Sie möchten doch lernen! Eine Familie hat zuvor eine Weile in Italien gelebt. Dort gingen die Kinder zur Schule, sie sprechen fließend Italienisch. Sie haben mich gefragt, wieso sie hier nicht lernen dürfen.

Momentan leben rund 600  Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung, die ziemlich abgelegen liegt. © Bastian Strauch / Save the ChildrenDie Unterkunft ist ziemlich abgelegen; sie grenzt an einen Wald, der Bus braucht eine halbe Stunde bis in die Stadt. Ehrenamtlich organisierte Angebote wie Sport, Sprachkurse oder ähnliches gibt es nur sehr begrenzt, das ist ganz anders als in großen Städten wie Berlin. Vor allem für die Jugendlichen gibt es wenig.

Kinder bestmöglich schützen

Unsere Kooperation mit dem Land Sachsen-Anhalt hat im September 2016 begonnen. Wir haben den bestehenden Kinderraum zunächst kinderfreundlicher gestaltet und finanzieren die Arbeit eines zusätzlichen Betreuers. Im Dezember waren wir dann erstmals mit mobilen Teams vor Ort: Wir haben die Mitarbeiter vor Ort fachlich beraten, sie zum Beispiel in Psychologischer Erster Hilfe geschult. Gerade in solchen Sammelunterkünften, in denen viele Menschen eng zusammenleben und nicht wenige aufgrund der Flucht und der ungewissen Situation psychisch belastet sind, brauchen Kinder besonderen Schutz. Gemeinsam mit der Kinderschutzfachkraft vor Ort entwickeln wir ein Konzept zum Schutz der Kinder, das auch ein Meldesystem beinhaltet, damit alle im Ernstfall wissen, wer bei Verletzungen des Kindeswohls informiert werden muss.

Im Schutz- und Spielraum gibt eine Bastel- und eine Spielecke, einen Ruhe- und einen Eltern-Baby Bereich und ganz unterschiedliche Aktivitäten. © Bastian Strauch / Save the ChildrenIm Schutz- und Spielraum arbeitet das Team in insgesamt vier Schichten mit bis zu 40 Kindern, damit möglichst viele die Chance haben, zu kommen. Es gibt eine Bastel- und eine Spielecke, einen Ruhe- und einen Eltern-Baby Bereich und ganz unterschiedliche Aktivitäten: Es kommen Kinder im Babyalter bis hin zu Jugendlichen bis 15 Jahren. Wir versuchen, alle Kinder einzubeziehen. So haben wir zum Beispiel beobachtet, dass viele Eltern gar nicht wussten, wo sich der Raum befindet. Denn das Gelände ist groß, die drei Hauptgebäude waren früher mal eine Kaserne, daneben gibt es viele Container. Daher gehen wir regelmäßig durch die Gebäude, sprechen mit den Eltern und den Kindern, laden sie ein und hängen Flyer in verschiedenen Sprachen aus.

Ein Raum, der den Kindern hilft

Von Kindern im Babyalter bis hin zu Jugendlichen bis 15 Jahren – im Schutz- und Spielraum versuchen wir Angebote für Kinder jeden Alters zu machen. © Bastian Strauch / Save the ChildrenViele Jungen und Mädchen sind durch die Erfahrungen belastet, die sie gemacht haben. Manche wirken anfangs verstört, sprechen nicht, reagieren aggressiv oder sind extrem schüchtern. Wenn sie den Schutz- und Spielraum jedoch eine Weile besuchen, merken wir, wie sie sich erholen. Zum Beispiel haben wir hier vier somalische Kinder. Sie sind mit ihrer Mutter nach Libyen und dann weiter über das Mittelmeer bis nach Italien geflohen. Sie haben unglaublich viel durchgemacht, eine Schwester blieb auf der Flucht im Sudan zurück. Die Mutter war überfordert, der jüngste Sohn, dreieinhalb, lief viel allein auf dem Gelände herum. Der Schutz- und Spielraum hilft hier sehr: Alle vier sind nach und nach ruhiger geworden; der geregelte Tagesablauf im Schutz- und Spielraum tut ihnen gut. In den allermeisten Fällen fangen die Kinder wieder an zu spielen, ihr Alltag normalisiert sich. Das ist sehr schön zu sehen.

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