Krieg bedeutet das Ende von Kindheit

Ein 11-Jähriger muss Holz hacken, anstelle zur Schule zu gehen.

Kathrin Wieland ist Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland. Auf diesem Blog erzählt sie regelmäßig von ihrer Arbeit und der Arbeit ihrer Kollegen in Krisenregionen weltweit.

Im Grunde bin ich ein durch und durch optimistischer Mensch – aber ich muss es einmal sagen: In Syrien hat die Weltgemeinschaft versagt. Seit vier Jahren richten Regierungstruppen und Aufständische ein ganzes Land zugrunde und tun sich gegenseitig und vor allem der Zivilbevölkerung die schlimmsten Dinge an – kein Ende in Sicht. Und die ganze Welt schaut zu.

Nein, nicht tatenlos, viele versuchen zu helfen, die angrenzenden Länder platzen ob der Flüchtlingsflut aus allen Nähten und die europäische Zivilbevölkerung trägt Kleider, Möbel und Spielzeug in nahe gelegene Asylbewerberheime. Auch die Zahl privater Flüchtlings-Initiativen ist enorm, wie es uns im Rahmen unseres Förderwettbewerbs KINDERrechte für KINDERflüchtlinge noch einmal deutlich geworden ist. Trotzdem möchte ich heute mit Ihnen teilen, was ich von Kindern direkt aus Syrien erfahren habe. Kinder in einem Flüchtlingscamp im Norden Syriens

Wir denken, es kann nicht mehr schlimmer kommen. Doch, kann es. Und das ist eine Schande.

Denn gestern hatte ich Kontakt mit einem unserer Mitarbeiter im Norden des Landes, ich nenne ihn Marc*. Ich darf seinen richtigen Namen nicht preis geben und auch nicht sagen, wo genau wir arbeiten – es ist zu gefährlich. „Um 2 Uhr nachts kamen sie, um zu töten und zu vergewaltigen. Wir hatten nichts, um uns zu verteidigen“, hat ihm eine Mutter namens Mary* erzählt, die nun mit ihren sechs Kindern in einem Zelt lebt. „Ich sah, wie Kinder auf dem Rücken ihrer Eltern erschossen wurden, als diese zu flüchten versuchten.“

Marc hat auch den sechs-jährigen Elijah* erlebt, der solche Angst vor der Rückkehr der „Bösen“ hat, dass er den ganzen Tag vor der Unterkunft seiner Familie Wache steht – bewaffnet mit einem Holzgewehr. Sein Vater hat es ihm mehrfach weggenommen, sie seien hier in Sicherheit, aber Elijah macht sich sofort immer wieder ein neues. Dieser Junge kennt nur Flüchtlingscamp in Norden SyriensKrieg – es zerreißt den Eltern das Herz – und mir auch.

Ich erspare ihnen die vielen anderen Beispiele. Diese beiden machen deutlich genug, was den Alltag von Millionen von Menschen dort ausmacht – seit vier Jahren, in denen es die internationale Gemeinschaft nicht geschafft hat, das erbarmungslose Leiden der Menschen zu beenden.

Wir müssen den Opfern helfen – das steht auch in der Macht des Einzelnen

Anlässlich des dreijährigen Jahrestags des Syrien-Konflikts vor einem Jahr haben die politischen Entscheider aller Welt Kummer und Empörung kundgetan und versprochen, dass die Dinge sich ändern würden. Und dann hören wir alle immer wieder, dass die Sache in Syrien „zu kompliziert“ für einfache Lösungen sei. Vor kurzem war der vierte Jahrestag – und wie mir scheint, haben wir den Tiefpunkt noch nicht einmal ansatzweise erreicht. „Es steht nicht in unserer Macht, den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden, aber wir können uns dessen Opfern annehmen“, hat der Kinderbuchautor Paul Maar gesagt. Er unterstützt unser Poesie-Projekt von syrischen Kindern. Dieses Projekt tröstet mich ein wenig so wie die Tatsache, dass Save the Children immerhin über 570.000 Kindern innerhalb Syriens helfen konnte. Mit dem „Cost of War“-Report, den wir Anfang nächster Woche  veröffentlichen, drängen wir außerdem einmal mehr darauf, dass der Fokus aller internationalen Bemühungen endlich auf die Kinder gerichtet werden muss. Kinder sind die Zukunft – wenn sie nichts als Krieg kennen, dann möchte ich mir ihre Zukunft nicht ausmalen. Helfen wir ihnen, dass sie auch wieder erleben dürfen, was Kindheit bedeutet. Kinder in einer von Save the Children unterstützten Schule

*Alle Namen aus Sicherheitsgründen geändert

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